Die Land.Zeit.Studie untersucht Residenzprogramme – temporäre Wohn- und Arbeitsformate, die Menschen für das Leben in ländlichen und kleinstädtischen Regionen begeistern sollen. Im Elbe-Valley erproben vier Projekte ganz eigene Wege, das zu tun: das KoQuartier in der Prignitz, der Summer of Pioneers in Stendal, das Rural Living Lab Wendland und Circular Practice Lübz.

Sie unterscheiden sich in ihrer Ausrichtung, ihren Zielgruppen und ihren Formaten – und genau das macht sie gemeinsam so aufschlussreich. Die Technische Hochschule Lübeck ist als Partnerin in die Konzeption, Durchführung und Evaluierung der Programme eingebunden.

Diese wissenschaftliche Komponente der Land.Zeit.Studie zielt darauf ab, erstmals einen systematischen Überblick über Formen, Wirkungen und Erfolgsbedingungen von Residenzprogrammen zu erarbeiten – und daraus praxistaugliche Erkenntnisse für Kommunen und Regionen zu gewinnen.

Die Rolle der TH Lübeck

Die TH Lübeck als wissenschaftliche Projektpartnerin

Die Land-Zeit-Studie zeichnet sich dadurch aus, dass Sie aus vier sehr unterschiedlichen Residenzprogrammen besteht. Ein wesentliches Merkmal ist außerdem die wissenschaftliche Einbettung und übergreifende Analyse der Programme. Während der gesamten Projektlaufzeit von insgesamt drei Jahren ist die Technische Hochschule Lübeck direkt an den Programmen beteiligt. Dabei unterstützt Sie die vier Vorhaben über drei Phasen hinweg:

Im ersten Projektjahr werden die Residenzprogramme konzipiert und auf die lokalen Rahmenbedingungen ausgerichtet. Hierbei stehen wir als Hochschule beratend zur Seite und bringen empirisches Wissen aus vorgelagerten sowie parallel laufenden Untersuchungen zu bereits abgeschlossenen Residenzprogrammen ein.

Im zweiten Jahr werden die Programme durchgeführt. Hierbei sind wir selbst ebenfalls vor Ort, beobachten und unterstützen den Programmablauf und befragen zum Beispiel Programmteilnehmende zu Ihren Erfahrungen.

Im dritten und letzten Projektjahr werden die Programme gemeinsam mit den Initiator:innen und Teilnehmenden evaluiert, die Effekte werden analysiert und verglichen und die Ergebnisse des Prozesses werden schließlich sowohl für wissenschaftliche als auch für öffentlichkeitswirksame Zwecke aufbereitet und publiziert.

Der enge Austausch zwischen Hochschule und den Programmverantwortlichen in allen wesentlichen Projektschritten sorgt dafür, dass laufend gemeinsam Wissen erarbeitet und reflektiert wird. So entstehen Erkenntnisse mit starkem Praxisbezug und hoher empirischer Dichte. Zugleich profitieren die Programme und deren Initiator:innen von einer wissenschaftlich fundierten Perspektive auf ihre Arbeit.

Zentrale Fragestellung

Anliegen der Land.Zeit.Studie und zentrale wissenschaftliche Fragestellungen

Unter dem Begriff Residenzprogramme versammeln sich unterschiedliche Konzepte temporärer Wohn- oder Arbeitszusammenhänge. Für einen begrenzten Zeitraum ermöglichen sie es, das Leben an einem anderen Ort oder in einer bestimmten, zum Beispiel gemeinschaftlichen Konstellation niedrigschwellig auszuprobieren. In aller Regel werden Residenzprogramme ins Leben gerufen, um die Vorzüge einer Stadt oder Region in einem organisierten Setting erfahrbar zu machen und damit möglicherweise Zuzüge in diese Region anzustoßen. 

Die Programme unterscheiden sich in ihrer Ausgestaltung jedoch teilweise deutlich. Nicht nur finden Sie in einer Bandbreite räumlicher Kontexte statt, sie stellen sehr verschiedene Themen in den Vordergrund und sprechen damit auch unterschiedliche Zielgruppen an. Ein strukturierter Überblick verschiedener Formen, Ziele und Erwartungen, die mit Residenzprogrammen verknüpft werden, fehlt bislang allerdings genauso, wie eine systematische Analyse der tatsächlichen Effekte vor Ort und davon, wie nachhaltig diese sich entfalten.

Vor diesem Hintergrund stellt die Land.Zeit.Studie die folgenden forschungsleitenden Fragen:

  • Welche Formen von Residenzprogrammen existieren in Deutschland und wie lassen sich diese systematisieren?
  • Wer nimmt an Residenzprogrammen Teil und welche Motive haben die Teilnehmenden dabei?
  • Welche Mehrwerte verknüpfen Kommunen mit Residenzprogrammen? Wie wird sichergestellt, dass diese Mehrwerte erzielt werden und woran wird der Erfolg von Residenzprogrammen festgemacht?
  • Welche Fallstricke und Potenziale werden bei der Durchführung von Residenzprogrammen sichtbar und wie lassen diese sich steuern?
  • Welche konkreten und latenten Effekte ergeben sich für die Teilnehmenden einerseits und für die Region andererseits?
  • Wie lassen sich Mehrwerte langfristig und nachhaltig sichern?

Vorgehen und Methoden

Zu Beginn des Projektes werden deutschlandweit Residenzprogramme erfasst, systematisiert und mit Blick auf ihre Effekte exemplarisch untersucht. Hierfür werden qualitative Interviews mit Personen geführt, die an bereits abgeschlossenen Programmen mitgewirkt oder teilgenommen haben.

Das Herzstück des Vorhabens besteht jedoch in der Konzeption, Betrachtung und Evaluierung der vier Residenzprogramme, die die Land.Zeit.Studie im Elbe-Valley ausmachen: Das Ko-Quartier in der Prignitz, der Summer of Pioneers in Stendal, das Experiment Landleben im Wendland und die Sommer-Residenz in Lübz bilden eine Bandbreite unterschiedlicher Ansätze ab. Um nachzuvollziehen, wie diese Konzepte entstanden sind, welche konkreten Erwartungen damit jeweils verbunden werden, aber auch um die Programme in Ihrer Konzeption zu unterstützen, werden auch hier qualitative Interviews geführt mit den Projektinitiator:innen sowie weiteren lokalen Akteur:innen im Elbe-Valley, die in die Residenzprogramme involviert sind.

Während der erste Schritt – die Genese der Residenzprogramme im Elbe-Valley nachvollziehen – darauf abzielt, insbesondere den Konzeptionsprozess und damit verbundene Governance-Fragen sowie Ziele und Erwartungen zu erfassen, werden die Programme auch während der Durchführung eng begleitet. Hier stehen dann die Teilnehmenden im Mittelpunkt. Ihre Erwartungen, Erfahrungen, Entwicklungen und Bewertungen werden zunächst ebenfalls über verschiedene Interview- und Gesprächsformate sowie teilnehmende Beobachtung erfasst. Darüber hinaus soll hier insgesamt möglichst ergebnisoffen und methodenopportun gearbeitet werden. Das bedeutet, dass – je nach Programm – weitere Formen der Datenerhebung zum Einsatz kommen, die z. B. Elemente der Citizen Science oder von Reallaboren enthalten.

Nach Abschluss der Programme findet zudem eine umfassende Evaluierung statt, die sowohl die Programmträger:innen, als auch deren Teilnehmende sowie lokale Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einbindet.

Programme

Summer of Pioneers Stendal

Probewohnen mit Rundum-Sorglos-Paket

Die Luft der Altmark schnuppern und Stendal mitgestalten: Beim Summer of Pioneers laden wir 20 Digitalarbeiter:innen und Kreative für ein sechsmonatiges Probewohnen in die historische Hansestadt ein.

Circular Practice Lübz

Arbeiten – Forschen – Impulse setzen

Eine vierwöchige Residency in Lübz für Creatives, die mit lokalen Akteur*innen zusammenarbeiten und Impulse für Kreislaufwirtschaft und regionale Entwicklung setzen möchten.

KoQuartier Prignitz

Unsichtbaren Leerstand neu nutzen

Im KoQuartier Prignitz machen wir unsichtbaren Leerstand sichtbar und bringen Menschen zusammen: alteingesessene Hausbesitzer:innen mit ungenutztem Wohnraum und neue Bewohner:innen, die sich ein Leben in der Region vorstellen können – zunächst zum Kennenlernen, im besten Fall dauerhaft.

Rural Living Lab - Wendland Edition

Countryside, Community & Co-Creation

Komm vom 6.- 18. August 2027 zu Ein Ding der Möglichkeit: Bis zu 15 Menschen, die 12 Tage gemeinsam das Landleben und das Wendland entdecken: mit Exkursionen, Austausch und Raum, neue Formen von Gemeinschaft zu testen.

Projektteam der Technischen Hochschule Lübeck

Prof. Dr. Marcus Menzl

Professor für Soziologie der gebauten Umwelt

Technische Hochschule Lübeck

Fachbereich Bauwesen

Mönkhofer Weg 293
23562 Lübeck

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Duncan Barahona

Wiss. Mitarbeiter an den Professuren Soziologie der gebauten Umwelt sowie Bauphysik und Technischer Ausbau

Technische Hochschule Lübeck

Fachbereich Bauwesen

Mönkhofer Weg 293
23562 Lübeck

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